Vor gut zwei Jahren haben Peter und Adeline Züst einen mutigen Schritt gewagt. Anstatt Milchkühe stehen jetzt die kleinen schwarzen Dexter im Stall. Und Landwirtschaft macht den beiden wieder richtig Spass. Denn sie können ein Produkt von A-Z selber herstellen. Von der Aufzucht bis zum Verkauf des Fleisches an die Konsument*innen geschieht alles rund um den Hof im Hellbüchel.

Wir sitzen im hübschen Laden von Adeline und Peter Züst im Hellbüchel in Lutzenberg. Die Boutique trägt den Namen „Pique & bluescht“ und passt zur schmucken Einrichtung. In der Mitte des Raumes steht ein grosser Tisch, der zum Verweilen einlädt. Und die glänzende Kaffeemaschine verspricht guten Kaffee. Eigentlich sind wir gar nicht zum Einkaufen hier. Zumindest dachten wir das. Wir wollen wissen, warum und wie Peter und Adeline ihren Betrieb von Milch- auf Fleischwirtschaft mit Direktvermarktung umgestellt haben.

Auf der Suche nach Tieren, die zum stotzigen Land passen

Peter Züst hat den Landwirtschaftsbetrieb von seinen Eltern übernehmen können. Der Vater hilft noch immer im Betrieb mit. Es war ein Milchwirtschaftsbetrieb wie wir sie hier im Appenzellerland bestens kennen. Peter schildert, dass die steilen Böden seines Betriebes unter den schweren Milchkühen litten und es schwierig war, die Kühe möglichst viel zu weisen. Ausserdem sei der Milchmarkt übersättigt. Das und die zeitliche Bindung, die ein Milchwirtschaftsbetrieb mit sich bringt, hätten sie dazu veranlasst, sich nach Alternativen umzuschauen. Er war auf der Suche nach Tieren, die zu seinem Land passen, sprich sich von diesem stotzigen Land ernähren können. Da sei in einem Artikel einer Fachzeitschrift ein Betrieb portraitiert worden, der Dexter Rinder halte. Das habe ihn fasziniert und nicht mehr losgelassen.

Erste Schritte ins Wagnis

Peter und Adeline Züst machten sich auf den Weg. Mit der Idee im Kopf haben sie verschiedene Betriebe mit Dexter Rindern angeschaut und sich ein Bild gemacht, gerechnet, überlegt und dann mutig entschieden. Der Zufall wollte es, dass sie eine kleine homogene Herde von Dexter Rindern übernehmen konnten.

„Mit der Milchwirtschaft kannst du jederzeit aufhören, ohne dass jemand traurig ist darüber“, sagt Peter. Im Gegenteil: die Molkerei, die sie früher beliefert hatten und mit der sie eine langjährige Zusammenarbeit pflegten, machte dem Paar sogar Mut für den Schritt.

Den ganzen Kreislauf im Blick

Ab sofort war der Betrieb auf sich gestellt. Das Fleisch, das sie produzieren vermarkten sie selber. Mit einem frischen Internet-Auftritt, den Adeline Züst selber gestaltet, haben sie sofort informiert und sichtbar gemacht, woran sie arbeiten. Zudem war Peter während der Umstellung vermehrt als Forstwart – seinem zweiten beruflichen Standbein – tätig.

Adeline hat mit der Umstellung so richtig Freude bekommen am Betrieb. „Den ganzen Kreislauf eines Produktes von A-Z selber zu machen, gefällt mir sehr. Das ist befriedigend.“ Auch für Peter hat sich die Umstellung gelohnt. „Die Lebensqualität ist stark gestiegen.“ Sie müssten tatsächlich kein Futter mehr zukaufen, denn die Tiere könnten sich vom stotzigen Boden und eigenem Grundfutter ernähren. Es sind genügsame Tiere. Der Plan ist aufgegangen.

Zu diesem Konzept gehört auch, dass Konsumenten das Fleisch hauptsächlich im Mischpaket kaufen. So wird das ganze Tier verwertet. Und es ist den beiden wichtig, dass die Tiere nur 5 Minuten vom Hof entfernt geschlachtet werden können. Die Verarbeitung erfolgt dann wieder auf dem Hof. Peter lässt sich von einem befreundeten Metzger in die Kunst der Fleischverarbeitung einführen.

Mit viel Herz

Als wir uns verabschieden und zurückblicken auf die Begegnung, fällt uns etwas auf. Peter und Adeline Züst gehen mit Liebe ans Werk. Das gilt nicht nur für das schön eingerichtete Ladenlokal. Sie sprechen auch mit grossem Respekt von ihren Tieren.

Weitere Informationen: www.dexterhomebeef.ch

# Nahversorgung

Wir portraitieren Betriebe, Höfe und Produzenten aus der Region, die Lebensmittel herstellen und selber oder in Zusammenarbeit mit Läden in der Region vertreiben. Wir wollen dazu ermutigen, Lebensmittel zu kaufen, die in unserer Region gewachsen sind und produziert wurden. So halten wir die Wertschöpfung bei uns und leisten einen Beitrag an eine nachhaltige Entwicklung.

Gerade in der Corona-Krise waren wir auf unsere Nahversorger angewiesen. Wir rufen dazu auf, die lokalen Geschäfte auch nach der Krise weiterhin zu berücksichtigen!