Einblick in über 30 Berufe in der Region

Am Mittwoch, dem 23. September 2020 hatten die rund 140 Schülerinnen und Schüler der zweiten Oberstufe der Sekundarschulen Heiden, Oberegg, Walzenhausen, Wolfhalden-Grub und Trogen-Wald-Rehetobel die Gelegenheit, in einen Lehrberuf ihrer Wahl reinzuschnuppern. Besonders freuen wir uns dieses Jahr über die Vielzahl der angemeldeten Betriebe. Trotz der momentan schwierigen Situation boten rund 40 Betriebe aus der Region Einblicke in 30 Berufe. Die Standortförderung Appenzellerland über dem Bodensee (AüB) organisierte und koordinierte den Berufserkundungstag zum sechsten Mal.

Im Gaismoos in Walzenhausen besuchen wir die Firma Knoepfel AG. Der 1962 in Walzenhausen gegründete Familienbetrieb produziert Metallteile, unter anderem für die Bereiche Luft-, Raum- und Schifffahrt. Bei vielen der hergestellten Teile ist selbst ihnen unklar, welchen Zweck sie im Endeffekt erfüllen werden. In diesem Segment unterliegt die Mehrheit der Aufträge der Geheimhaltung. Daher verwundert es auch wenig, dass wir nur gewisse Bereiche fotografieren dürfen. Umso spannender ist es aber, dass sie regelmässig ihre Türen öffnen, um interessierten Jugendlichen Einblicke in die Welt der Metallverarbeitung zu ermöglichen.

Der Betriebsleiter Anton Rechsteiner organisierte am heutigen Tag für 8 interessierte Schüler ein abwechslungsreiches Programm. Die Jugendlichen, die sich für die Lehrberufe Produktionsmechaniker und Polymechaniker interessieren, dürfen unter fachkundiger Anleitung selber Teile herstellen. Sie erhalten Einblicke in alle Bereiche der Produktion und Spedition.

Präzision bis zur Perfektion

Diese Berufe erfordern ein hohes Mass an räumlichem Vorstellungsvermögen und Verantwortungs­bewusstsein. Die hergestellten Teile mit wenigen Mikrometern Toleranz werden bis zur Perfektion gefräst, geschliffen, lackiert und lasergraviert. Doch trotz höchst anspruchsvoller Tätigkeit und kostspieligen Rohmaterialien und Maschinen steht bei der Knoepfel AG der Mensch im Mittelpunkt. Rund 70% Prozent der Mitarbeitenden sind seit ihrer Ausbildung im Betrieb. Auch Anton Rechsteiner ist seit 1986 hier tätig, mit Herz und Seele.

Spiel ist die Seele der Mechanik. Die Mitarbeiter sind die Seele der Knoepfel AG.

Mit Begeisterung erzählt uns Anton Rechsteiner von seinen Mitarbeiter*innen und ihren Leistungen. Einige der Verfahren haben sie selbst entwickelt.

Wieviel Wert auf die Menschen gelegt wird, merkt man auch, wenn man das Programm für die Schüler des Berufserkundungstages sieht. Es vermittelt den Jugendlichen eine Vorstellung vom Alltag als Poly- und Produktionsmechaniker und baut auch spielerische Elemente und einen Znüni ins Programm des heutigen Morgens ein.

Handwerkskunst

Eine Aufgabe besteht für die Schüler darin, ein Rohteil aus Stahl von Hand zu schleifen und den eigenen Namen einzugravieren. Laut Anton Rechsteiner ist diese Handarbeit auch zu Beginn der Ausbildung besonders wertvoll, um den Umgang mit den Werkzeugen und den Materialen zu erlernen, bevor dann mit Maschinen gearbeitet wird. Metall ist ein Material mit einigen Besonderheiten, so ist zum Beispiel die Ausdehnung durch Temperatursteigerungen von höchster Relevanz für die Herstellung der Hochpräzisionsteilen.

Bei der nächsten Station erhalten die Schüler einen Einblick in die Arbeit mit CNC-Maschinen. Für jeden von ihnen wird eigens ein Schlüsselanhänger aus Aluminium hergestellt. Die circa 2×2 Meter hohe Maschine fräst gemäss Programmierung das Aluminium in Form, die Schüler und auch wir schauen mit grossen Augen zu. Der Beruf des Polymechanikers ist für viele undurchschaubar oder gar unbekannt. Elias sagt, er konnte sich bis heute nichts unter diesem Beruf vorstellen. Oliver hatte schon eine ungefähre Ahnung, da sein Cousin eine Ausbildung als Polymechaniker macht.

Faszinierende Einblicke

Umso wertvoller sind die Einblicke für die Schüler in die Firma Knoepfel AG. Riesige Hallen, anmutig glänzende Metallteile, Roboter, die schwere Teile vollautomatisch aus- und wieder in Regale räumen. Bilder, die nicht alltäglich sind, Metallrahmen voller Späne, die Zeugnis der geleisteten Arbeit sind.

Eindrückliche Zahlen – 40 Betriebe und 30 Berufe

Der Berufserkundungstag ist für das lokale Gewerbe eine Möglichkeit, die Vielfalt der Ausbildungs­möglichkeiten in der Region aufzuzeigen. 42 Betriebe in 10 Gemeinden boten rund 170 Berufserkundungsplätze in 32 verschiedenen Lehr­berufen an. Dank der regionalen Organisation können die Schülerinnen und Schüler so eine grosse Zahl von Berufen kennenlernen.

Ziel des Berufserkundungstages ist es, Lernende mit Ausbildungs­möglichkeiten in ihrer Wohnregion vertraut zu machen. Da die Zweitoberstufenschüler*innen noch ganz am Anfang des Berufswahl­prozesses stehen, geht es in erster Linie darum, erste Schritte in die Arbeitswelt zu machen und erste konkrete Erfahrungen zu sammeln.

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Danke

Ein grosses Danke gilt den Mitwirkenden: Den Betrieben für ihr grosses Engagement, den Schülerin­nen und Schülern für das Interesse und den Schulen für die Vorbereitung und Begleitung der Jugendlichen!

 

Text: Julia Schoch, Bilder: Katja Breitenmoser