Der Bauernmarkt in Heiden ist an den Samstagen von Ende Juni bis Anfang November zum Begegnungsort geworden. Bauernbetriebe aus der Region bieten Gemüse, Früchte und Fleisch aus eigener Produktion an, meist sogar in Bio-Qualität. Wo Konsumenten und Produzentinnen so direkt zusammentreffen, wächst gegenseitiges Verständnis und Wertschätzung. Und das Gemüse legt vom Feld auf den Teller nur wenige Kilometer zurück. Wie der Bauernmarkt zudem ihre tägliche Arbeit bereichert, erzählte uns Josette Egli. Sie betreibt mit ihrem Mann Ruedi Graf einen Bio-Bauernhof in Heiden.

Als ich mit der Kamera am Bauernmarkt aufkreuze, gibt er ein Bild ab wie aus einem Ferienprospekt. Die Sonne scheint, die Kinder spielen auf den Treppenstufen der Kirche, während die Eltern und die SeniorInnen im Marktkaffee sitzen und sich gütlich tun an den frisch gebackenen Köstlichkeiten, die es auf dem Markt zu kaufen gibt, oder frisches Gemüse aus der Region einkaufen. Ich bin von der Vielfalt überwältigt, die ange­boten wird: Sie reicht von Tomaten in allen Formen und Farben, Randen, Kartoffeln, Rüebli in fantasievollen Formen, Zwetschgen, Beeren – frisch oder zu Confitüre und Sirup verarbeitet – über Fleisch in Bio-Qualität bis zu gestrickten Socken.

Vom Stand mit Bio-Produkten zum Begegnungsort im Dorf

Einige Tage später, die Sonne scheint noch immer, sitze ich bei Josette Egli im Garten unter einem Lindenbaum. Sie gehört mit ihrem Mann Ruedi Graf zu den Organisatorinnen des Bauernmarktes Heiden. Die Idee gehe zurück auf Hanspeter Horsch. Er sei 1995 an Ernst und Ruedi Graf gelangt, weil er sich einen Stand mit Bio-Produkten vor seinem Ladengeschäft wünschte. Die Idee eines Marktes sei beim Kur- und Verkehrsverein auf offene Ohren gestossen. Die Gemeinde habe die Stände zur Verfügung gestellt und so sei der Bauernmarkt geboren worden. Zur gleichen Zeit sei auch der Bauernmarkt in St.Gallen ins Leben gerufen worden, denn die Direktvermarktung und der Verkauf von Gemüse sei für die Bauern – als Antwort auf die Milchkontingentierung – ein willkommener Zusatzverdienst gewesen.

Gemüseauswahl

Nähe zu den Konsumentinnen und Konsumenten

Für die Familie Graf Egli ist das heute noch ein wichtiges Argument. Die Direktvermarktung ihres Bio-Gemüses sei für den Betrieb ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Zudem schätze sie die Nähe zu den Kundinnen und Kunden, denn die Wertschätzung und das Verständnis seien sehr hoch. Auch ein zweibeiniges Rüebli finde hier den Weg in die Einkaufstasche. Die Kundinnen und Kunden kommen aus Heiden, den umliegenden Gemeinden und sogar aus dem Rheintal. Eine Frau habe mal gesagt, als der Bauernmarkt im Frühjahr zum ersten Mal wieder stattfand: „So, jetzt ist das Dorf wieder komplett.“

Wind und Wetter – Gemüse ist ein Naturprodukt

Nebst den vielen Vorzügen des Bauernmarktes gibt es auch Herausforderungen. Die Lage ihres Hofes auf dieser Höhe setze dem Anbau von Gemüse und Beeren Grenzen. Dieses Jahr sei die Ernte allerdings so schön und üppig ausgefallen wie nie zuvor. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr. Der Wintereinbruch im April habe viele Blüten erfrieren lassen und im Herbst seien die spärlichen Früchte an den Bäumen kurz vor der Ernte noch verhagelt worden. Damals sei sie auf die Idee gekommen, selber Nutella herzustellen, um auf dem Markt doch etwas anbieten zu können. Erfindergeist ist auch auf dem Bauernmarkt gefragt. Josette Egli schätzt die Abwechslung, welche der Bauernmarkt in ihren Arbeitsalltag bringt und hofft, dass sich auch künftig genügend Bauernfamilien begeistern lassen!

>>> www.heiden.ch/de/vereine/maerkte

Lebenswerte Region und nachhaltige Entwicklung

In einer losen Reihe portraitiert der Verein AüB Projekte, Unternehmen, Institutionen und Menschen aus der Region, die zu einer lebenswerten Region und einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Alle UNO-Mitgliedstaaten – so auch die Schweiz – haben sich dazu verpflichtet, bis 2030 die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Das heisst, dass alle Staaten gleichermassen aufgefordert sind, die drängen­den Herausforderungen der Welt gemeinsam zu lösen. Dabei ist es unverzichtbar, dass nebst Bund, Kantonen und Gemeinden auch nichtstaatliche Akteure aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.

Der Bauernmarkt ist ein solches Beispiel. Er dient den Zielen 12 «Verantwortungsvoller Konsum und nachhaltige Produktion» und 15 «Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen».

Mehr zu den 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung finden Sie auf www.eda.admin.ch/agenda2030